54 Bericht 006

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4. 1.2019 Coyahique nach Villa Cerro Castillo

Das mit warten bis heute morgen (mit der Dusche) war keine so gute Idee. Wahrscheinlich wird jetzt überall geduscht und das Wasser wechselt ständig von kochend heiss zu eiskalt. Sehr unangenehm. Das Frühstück wäre nicht schlecht, aber für den Kaffee warten wir gute 10 Minuten und das Rührei, das uns angeboten wurde ist auch nach 20 Minuten noch nicht bei uns angekommen. Wir sind gerade am Aufbrechen, als die Köchin? damit kommt. Aber wir haben nun keine Lust mehr darauf. Das Wetter ist sonnig und bleibt so bis nach Cerro Castillo. Kurz nach Coyhaique verlassen wir die Carretera und fahren ins Valle Simpson. Einmal mehr fahren wir durch ländliches Gebiet, eigentlich wie gehabt bloss flacher. Wir befinden uns in einer weiten Ebene. Den Rio Simpson sehen wir erst nach etwa einer halben Stunde. Er hat ein enorm breites Bett, aber zum jetzigen Zeitpunkt mäandert er ziemlich dünn durch den Kies. Für einige Kilometer folgen wir ihm, dann erweitern wir die Runde abseits der Carretera und fahren Richtung Lago Elizalde. Tiefblau liegt er da, aber es sieht nicht aus, als ob da noch irgendwo ein Café oder ein Restaurant käme. Drum kehren wir um und fahren nun bis El Blanco, wo wir wieder auf unsere Strasse kommen. In diesem kleinen Kaff gibt es auch kein Restaurant, bloss ein kleines Lädeli, wo wir 2 Empanadas kaufen, die uns die freundliche Verkäuferin heiss macht. Auf meine Frage nach einer Toilette schüttelt sie den Kopf. Ihre kleine Tochter lässt sie dann etwas verlegen werden, denn die meint, die Frau könnte doch auf unsere Toilette. Aber ich lasse mir nicht anmerken, dass ich das sehr wohl verstanden habe und trete von einem Bein aufs andere. Es ist ja nicht mehr sooo weit. Am Strassenrad findet sich kein günstiges Plätzchen, aber dafür gibt es an einem kleinen See einen ganz tollen Zeltplatz mit WCs. Ach, bin ich froh. Leider ist es aber nicht einladend für einen Spaziergang, den wir dringend nötig hätten. Riesige Bremsen halten uns davon ab. Sonst wäre es geradezu idyllisch hier, wir befinden uns auf fast 1000m. Nun geht's nur noch bergab. Das Tal ist eng, teilweise schluchtartig. Die Berge ragen schroff in die Höhe. Und dann, dann endlich kommt der Augenblick, auf den Ruedi so lange gewartet hat. Der Mirador Cerro Castillo. Hoch über der Ebene des Rio Ibañez erhalten wir einen Ausblick, der uns den Atem verschlägt. Letztes Mal konnten wir das überhaupt nicht wahrnehmen, weil es regnete und die Wolken die Sicht völlig verdeckten. Aber jetzt, das ist ist fantastisch. Und der Cerro Castillo, dieser fast ebenso berühmte Berg wie die Torres del Paine steht vor uns und zeigt sich in voller Pracht. Wir können fast nicht weiter fahren, so sehr geniessen wir diese Aussicht. Endlich nehmen wir das letzte Wegstück unter die Räder und beziehen unsere Cabaña bei Doña Isolde. Eine kleine, aber herzige Hütte mit allem was es braucht.Und mit unverstelltem Ausblick auf 'den Berg'! Etwas später fahren wir ins Dorf hinunter und zu einem Parkplatz, von wo aus man einen netten Spaziergang machen könne. Leider finden wir den Anfang nicht und marschieren hin und her, bis uns Wanderer ent- gegen kommen, die uns erklären, dass der Weg genau dort beginnt, wo wir schon waren. Es ist einfach so dass es ein sehr verschlossenes Tor dort gibt, über das man klettern muss. Ok, machen wir. Leider etwas unsportlich, aber wir schaffen es. Nun befinden wir uns auf einem schönen Weg, der durch Wiesen und lichten Wald stetig bergan führt. Ruedi hat Mühe mit der Pumpe und schickt mich voraus. Unterwegs treffe ich auf weidende Pferde und Ziegen. Die Vögel zwitschern und fliegen in den Büschen herum, es ist wirklich herrlich. Und die Bewegung tut sooooo gut. Irgendwann sehe ich weit vorne den versprochenen Wasserfall. Er ist nicht besonders hoch, aber er donnert doch recht gewaltig über die Felsen. Ich schiesse ein paar Fotos und mache mich auf den Rückweg. Plötzlich niesst es ganz nahe von mir gewaltig. Ich mache einen Satz, so habe ich mich erschreckt. Dabei ist es Ruedi, der ein paar Meter vor mir aus dem Wäldchen kommt. Puh, damit hatte ich nicht gerechnet, und ich hatte sonst niemanden gesehen. Er mag nicht mehr bis zum Wasserfall und so kehren wir gemeinsam zum Auto zurück. Ruedi erzählt, dass er mit den Ziegen, die bei mir friedlich am Hang weideten, kämpfen musste, und dass ihm ein Pferd den Weg versperrte, so dass er nicht wusste, wo er durch kann. Bei mir hielten sich die Tiere zurück, hihi. Wir fahren zum Dorfanfang, wo der rechte Vorderreifen platzt. Was dann folgt steht unten. Nach dem ganzen Theater bestellen wir uns im kleinen Restaurant in der Nähe ein Pouletschnitzel und Kartoffelstock und dann trollen wir uns nach Hause. Isolde zündet uns ein Feuer an und ich schreibe meinen Bericht, während Ruedi schon schnarcht. Ruedi: Bei der Kontrolle des Autos stelle ich fest, dass der vordere rechte Reifen nicht mehr viel taugt. Abgefahren bis auf de Indikatoren, zudem einseitig. Der rechte vordere Reifen ist noch sosolala; wird aber die voraussichtlich noch 3 - 4 tausend Kilometer die noch vor uns liegen nicht mit machen. Also e-mail mit Fotos an Herrn Speckhardt von Seelmann. Das Internet hier ist nicht sehr stabil und ich bekomme keine Kopie in 'gesendet'. Scheint wie sich spaätr herausstellt angekommen zu sein. In Villa Cerro Castillo plötzlich einen Platten; vorne rechts. Der Radwechsel geht gut, ich bin danach allerdings ziemlich geschafft. Es sind grosse schwere Räder und 'man ist nicht mehr zwanzig'. Das Reseverad entpuppt sich als Notrad mit Sommerprofil. Also ungeeignet für die weiteren Naturstrassen. Der TALLER VULCANIZATION Y SOLDADURA, EDUARDO VIDAL ALON (seine Visitenkarte) findet ein Loch im Reifen und repariert ihn. Rad demontieren, Loch finden im Wasserbad, Reifen ab der Felge, Reifen reparieren, Reifen wieder auf die Felge, Notrad demontieren, repariertes Rad montieren, ausgiebiger Schwatz kosten CLP 10'000. Dieser Betrag entspricht SFR 15.-. Da könnten sich doch unsere Werkstätten ein Vorbild nehmen! Von Seelmann erhalte ich die Auskunft, dass vor Chile Chico keine neuen Reifen verfügbar sind. Das sind dann fast 300 Kilometer üble Naturstrasse. Ich frage mich, was die sich gedacht haben, mir das Auto so zu überlassen. Vor 3 Jahren erhielten wir ein Auto mit rundum neuen Reifen.
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5. 1.2019 Villa Cerro Castillo nach Puerto Tranquilo

Heute Morgen hat der Cerro Castillo einen Hut und auch sonst zeigen sich 'verschlirggte' Wolken an den Bergen. Aber die Sonne scheint und nach einem feinen 'Zmorge' in Isoldes Stube nehmen wir wieder die Strasse in Angriff. Wir schauen rasch bei Eduardo hinein und bringen ihm eine Schoggi. Die hat er sich redlich verdient und er freut sich sehr, dass wir nochmals vorbei kommen. Er ruft seine Frau, dass sie ein Foto von uns dreien macht. Wichtig dabei ist, dass hinten der Name seines 'Mechanikerbüdelis' zu sehen ist. Dann geht's los. Zu Ruedis Überraschung haben wir ca. 10km eine Strasse mit Betonplattenbelag. Dann kommt wieder Schotter und Rumpeln. Die Sonne verschwindet immer mehr hinter sich aufbauenden Wolken und schliesslich ist der Himmel völlig bedeckt, aber es bleibt trocken. Die Strasse ist ziemlich anstrengend zu fahren und es gibt ziemlich viel Verkehr, was entsprechend Staubwolken verursacht. Nach der Hälfte des Wegs bitte ich Ruedi auf die Seite zu fahren und wir holen unser gemietetes Picknick-Set hervor, werden den Gaskochen an und machen uns Wasser heiss. Es kocht, noch bevor ich den mitgebrachten Pulverkaffee und den Zucker für Ruedi gefunden habe. Schmeckt wunderbar und bringt mich wieder ein bisschen auf Touren. Nach nochmals einigen Kilometern lockt ein Restaurant neben der Strasse. Wir fragen, ob es Sandwich gibt und bestellen uns dann eines zum Teilen. Es ist riesig. Toiletten gibt es hier auch, das ist schliesslich nicht zu verachten! Und dann kommt auch hier ein Highlight. Der Lago General Carrera kommt in Sicht. Die Farben dieses Sees sind unbeschreiblich. Mal türkis, mal dunkelblau, je nach Wolkenspiel und Sonneneinfall. Inzwischen scheint nämlich die Sonne wieder und es windet stark. Wir müssen diverse Fotostops machen, der Blick ist immer wieder ein anderer. Schliesslich kommen wir doch noch in Rio Tranquilo an. Unsere Hotel ist schnell gefunden. Aber ui, das ganze Haus ist eine einzige Baustelle. Ich ahne Schlimmes. Aber Ruedi beruhigt mich, wir haben eine Hütte, kein Zimmer. Und tatsächlich, hinter dem Hotel stehen einige Häuschen, von denen uns eines zugewiesen wird. Nachdem wir einige Zeit mit meinen Fotos auf dem Handy, die nicht so erschienen, wie ich das wollte, vergeudet haben, gehen wir nochmals hinaus, um einen Spaziergang zu machen. Im Dorf, obwohl direkt am See, ist das nicht möglich. Die Strassen sind alle ungeteert und durch den starken Wind wirbelt es ständig riesige Staubwolken auf, was sehr unangenehm ist. Am See gibt es leider keinen Weg und auch am Flüsschen werden wir nicht fündig. Eine Touristeninfo gibt es hier nicht, dafür hundert kleine Buden, wo Anbieter für Fahrten auf dem See oder zum Gletscher anbieten. Die wissen aber nichts vom Kaff und von irgendeiner Spaziermöglichkeit. Das brächte ja auch kein Geld ein. Wir fahren noch ein kurzes Stück auf der Carretera und hoffen, dass sich ausserhalb noch etwas anbietet, aber ohne Erfolg. So kehren wir ins Dorf zurück und gehen Nachtessen. Inzwischen hat sich der Himmel wieder ziemlich bedeckt und ab und zu tropft es ein wenig. Wir sitzen am Fenster und können auf den See schauen. Noch bevor das Essen kommt bietet sich auf der anderen Seeseite ein wunderbarer Anblick. Es entsteht ein sensationeller Regenbogen, der auch nach gut 5 Minuten noch da ist. Eine kleine Entschädigung für den nicht vorhandenen Spazierweg! Das Essen ist gut und wir kehren in unser Hüttchen zurück, gerade recht- zeitig, bevor heftiger Regen herunter prasselt. Bald ist Bettzeit....
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