23. 8. Watson Lake
Ruedi schnarcht und gurgelt fast die ganze Nacht. Am Morgen wacht er auf mit verstopfter Nase und und Halsweh. Gegen Halsweh hab ich was, gegen die verstopfte Nase nicht. Schon gestern habe ich gesagt, dass ich die Ortschaft Watson Lake anschauen möchte. Und nachdem wir eh schon weiter sind, als ursprünglich geplant, mache ich den Vorschlag, dass wir bloss die paar Kilometer bis Watson Lake fahren und dort einen Campground suchen und den Tag an Ort verbringen. So kann sich Ruedi ruhig halten und etwas erholen. Die Idee passt ihm und so machen wir unser Zmorge, räumen zusammen und fahren ins Städtchen. Haha, Städtchen, ich habe das nicht auf Google Maps Satelitenbild angeschaut, sonst hätte ich gewusst, was uns erwartet. Etwa 10 Gebäude auf beiden Seiten des Highway, und wohl die gleiche Menge Häuser in der zweiten Reihe auf jeder Seite. Weiter weg von der Strasse liegen dann die 'Villen'. Es gibt zwei kleine Seen, zwei Läden, 3 oder 4 Hotels ( wahnsinnig, für ein Kaff mit vielleicht 790 (Stand: 2016) Einwohnern). Dann gibt es einen RV Park, einer der Sorte Fussballfeld- grosser Parkplatz, eine Hälfte mit Vollservice (Wasser, Elektrisch und Abwasserrohr), andere Hälfte ohne Abwasser. Erst winken wir ab und wollen und etwas Netteres suchen, aber da gibt es nichts, auch nicht im Umkreis von 20km. Also beschliessen wir, dass wir doch auf den 'Park- platz' gehen. Hier können wir den Trinkwasservorrat auffüllen und die paar Dinge besorgen, die im Camper fehlen. Z.B. einen Besen und ein Abwaschbürstchen, und Zeugs für mich, das offenbar zuhause liegen geblieben ist. Zudem gibt es hier Duschen. Der Besitzer ist sehr freundlich, er lacht sich einen Schranz, als wir ihm die Geschichte vom Baby Nugget Zeltplatz erzählen. Das sei dort an der Tagesordnung, der zocke die Leute ab etc. Als wir ihn wegen der vielen geschlossenen Servicestationen fragen, sagt er, das sei wegen Covid. Der Staat habe viel Geld bevorschusst und nachher nach kurzer Zeit derart Druck gemacht für die Rückzahlung, dass es die Betreiber nicht schafften und Konkurs gemacht haben. Traurig. Nun also einkaufen und dann Platz beziehen. Ruedi schliesst alles an und bemerkt dann, dass das Abwasserrohr nicht dicht ist. Der Wasserschlauch rinnt auch, aber das ist nicht so wichtig. Das Rohr hingegen schon. Zum Glück hat der Betreiber tatsächlich auch sowas im Angebot. Über Mittag soll es in der Nähe einen kleinen Markt geben, und so spazieren dem See entlang dorthin. Unterwegs treffen wir eine Joggerin und ich frage sie, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Sie lacht und meint, grundsätzlich ja, aber leider sei genau heute kein Markt. So doof. Aber weil wir eh um den See laufen wollen, gehen wir weiter. Die Sonne brennt jetzt ziemlich, aber die Frau vorhin hat auch gesagt, dass der grösste Teil der Strecke durch Wald führt. Ich bin echt froh, als diesen endlich erreichen. Hier ist es wirklich schön schattig und relativ angenehm. Aber der Weg dehnt sich. Wir übersehen von hier einen grossen Teil des See und es scheint mir, als ob diese Strecke um einiges länger als angegeben ist. Irgendwie mag ich nicht, obwohl doch Ruedi nicht 'zwäg' ist. Nach fast 1 1/2 Stunden langen wir wieder beim Camping an. Ich bin echt k.o. Dabei waren es tatsächlich nicht mehr als etwa 2 1/2km. Na, gut hat es trotzdem getan. Wir sitzen ins Häuschen, Ruedi legt sich hin und döst ein bisschen, und ich lese in meinem Buch. Später machen wir uns mit einer Dusche wieder wach und als sich langsam der Hunger meldet, findet Ruedi, wir sollten nochmals auswärts essen. So marschieren wir zum örtlichen Chinesen. Das Essen schmeckt, die Portionen sind riesig, so dass wir ein Doggybag mit nach Hause nehmen. Und damit ist auch dieser Tag zu Ende. ------------------------------------------------------------------------24.8. Boya Lake Provincial Park
Ich bin wieder sehr früh wach, stehe auf und beschliesse, den gestrigen Bericht zu schreiben, aber doof, ich weiss das Passwort vom Laptop nicht. Ruedi ist aber inzwischen auch aufgewacht und so machen wir erst mal Frühstück und dann schreibe ich. Wir müssen etwa 15km zurück fahren und verlassen nun den Alaska Highway und reisen auf dem Stewart-Cassiar Hwy weiter. Auch hier geht's rauf und runter, es hat viele Seen entlang der Strecke, einer schöner als der andere. Meist gibt es keine Zufahrt, aber ab und zu gibt es so kleine Pärke, in denen man sich tagsüber auf- halten kann, aber nicht über Nacht campieren darf. Das sind immer sehr schöne Orte, wo die Leute oft mit Booten oder Kanus kommen, an manchen Orten darf an fischen, aber immer hat es Toiletten oder wenigstens Plums- klos. Immer sehr gut unterhalten, sauber und WC-Papier fehlt auch nie. Wir fahren kilometerweit durch abgebrannten Wald, es ist unglaublich, wieviele km2 hier verbrannt sind. So um die Mittagszeit kommen wir am Boya Lake an. Die freien Stellplätze sind rar, aber dann finden wir doch einen. Direkt über dem See, 10m neben uns der Weg zum Ufer. Das Wasser glasklar und es leuchtet mal blau, an vielen Stellen ganz hellblau, fast wie in der Karibik, dann wieder grün oder schwarzblau. Fantastisch. Wir stellen die Campingstühle hinaus, freuen uns über die tolle Aussicht und lesen. Ich würde gerne schwimmen gehen, aber es scheint ziemlich kalt zu sein, denn es hat keine Leute im Wasser. Irgendwann beschliesse ich aber, es doch zu probieren. Puuuuh, ist das kalt. Es dauert lange, bis ich wirklich eintauche. Mehr als 5' kann ich nicht schwimmen. Aber dann fühlt es sich gut an und ich bin wirklich erfrischt. Gegen Abend machen wir noch einen Spaziergang. Der Weg geht fast alles am oder über dem Seeufer und immer wieder gibt es kleine Abzweiger, die an ein Strändchen führen, eins schöner als das andere. Was für eine tolle Ecke, in der wir da gelandet sind. Dies ist Provincial Park und die Campgrounds sind ohne Wasser und Strom, dafür kosten sie pro Nacht 20$, etwa ein Viertel, von dem, was man sonst bezahlt. Zum Nachtessen schiebt Ruedi eine (Dr. Oetker, haha) Pizza in den Ofen und die reicht bestens für uns beide. Auf den meisten Stellplätzen brennt ein Lagerfeuer, das gehört einfach dazu bei den Kanadiern, wie auch bei den US-Amerikanern. Für uns passt es auch so. Inzwischen leuchtet das gegenüber liegende Ufer und der See in Abendstimmung, es ist wunderschön. Mir fallen langsam die Augen zu, also Schluss für heute Abend. Übrigens, auch heute kein Tier gesichtet, ausser Eichhörnchen und einen uns unbekannten Vogel. Irgendwo an der Strassee hatte es zwar ein Schild, das vor Cariboos warnte, aber auch das war nur eine leere Versprechung, so wie gestern die Elchwarnung. ------------------------------------------------------------------------25.08. Boya Lake 2. Tag
Heute sind wir erst um 08 Uhr wach. Die Sonne scheint und der See glitzert. Ruedi macht uns zum Frühstück Speck und Spiegeleier, dazu Toast. Wunderbar. Zum draussen sitzen ist es uns zu kühl. Aber wir sind natürlich Memmen. Die Kanadier sitzen selbstverständlich kurz behost und in kurzärmligen T-Shirts draussen beim Frühstück. Oder sie räumen im Pijama ihr Zelt ab, weil sie nachher weiter reisen, sieht auch lustig aus. Mit den einen mache ich einen Schwatz und kann ihnen sogar noch einen Tipp geben für ein Museum, von dem sie keine Ahnung hatten, dass es das überhaupt gibt. Auch mit unsern Nachbarn auf dem Stellplatz nebenan plaudere ich einen Moment und wünsche ihnen gute Weiterreise. Die werden heute etwa 800km fahren. Lieber die als ich. In drei Wochen etwa 6000km und das mit hier und dort 2 Tage bleiben, und dafür dann wieder 600km oder mehr fahren an einem Tag. Nö, das wäre nichts für uns. Sowas hat mich früher nicht so gestört, aber heute, nein danke. Ruedi hat eine sehr enspannte Reise geplant, mit meist nicht mehr als etwa 150km pro Tag. Und dann und wann mehr als ein Tag am gleichen Ort. Später machen wir einen Spaziergang ans andere Ende des Areals, wo es einen Spielplatz und eine Wiese mit Tischen und Bänken für Tagesaus- flügler hat. Hier kann man auch Boote zu Wasser lassen. Ab dort geht ein Lehrpfad weg, an dessen Ende eine Biberburg zu sehen ist, die seit einiger Zeit von Fischottern übernommen wurde. Aber gleich am Anfang des Wegs hängt eine Information, dass man aufpassen soll, denn hier wurde ein Bär gesichtet. Das macht uns unsicher, und wir kehren um, als der Weg ins Unterholz geht. So gehen wir wieder zurück zu unserem Camper. Unterwegs treffen wir noch auf ein etwa gleichaltriges Schweizer Ehepaar. Wir sprechen über dies und das, und auch über ihren Camper, der scheinbar toll eingerichtet ist. Wir sollen doch später mal bei ihnen hinein schauen. Zurück bei unserem Platz, sitzen wir im Schatten und lesen. Aber mir fällt schon bald einmal das Buch aus der Hand, weil ich einnicke, und Ruedi macht auch ein Mittagsschläfchen. Eigentlich würde ich gerne nochmals ins Wasser, aber irgendwie kann ich mich einfach nicht dazu aufraffen. Wenn es nur nicht so kalt wäre. Dann eben nochmals den schönen Weg, den wir gestern gemacht haben. Dort ist kein Bär... Aber ich komme nicht weit, bleibe bei den Schweizern hängen, die ihr Womo gleich neben diesem Weg haben. Ich darf es mir anschauen, und ich staune, wie toll es einge- richtet ist. Da wurde wirklich an alles gedacht. Mit so einem Ding könnte ich mir auch vorstellen, vier oder fünf Monate unterwegs zu sein. Nun kommt auch Ruedi und so sitzen wir dort und kommen von einem Thema zum andern. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir bekommen langsam Hunger. Also verabschieden wir uns und gehen ohne Spaziergang zurück zu unserem nicht so ausgetüftelten Womo. Heute essen wir draussen. Dadurch lernen wir auch unsere neuen Nachbarn kennen. Kalifornier, ein nettes Paar so 10 Jahre jünger als wir. Nun geht das Erzählen von neuem los. Damit wir uns doch noch ein bisschen bewegt haben, gehen wir nochmals zum Spielplatz und zurück. Die Abendstimmung am See ist heute nicht so spektakulär wie gestern, aber es ist trotzdem schön, noch einen Moment zu zu schauen, wie die Bergspitzen vis à vis rötlich werden und sich alles im See spiegelt. Dann wird es langsam kühl und wir gehen hinein. Dies was ein fauler Tag, aber Ruedi war das am besten. Seine Erkältung ist nun fast vorbei.
Zuletzt geändert 2025-08-26 23:52 UTC von info f532a7x0 (Unterschiede)
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