59 Bericht 003

22. 8.2025 Teslin nach Watson Lake

Gestern Abend habe ich mir das Duvet bereit gelegt, falls ich wieder
friere, und ich war froh drum. Wo gestern noch ein wunderschöner See
war mit einer sensationellen Abendstimmung, ist heute gar nichts mehr
zu sehen. Nur eine dichte Nebelwand, wir sehen gerade noch unsere
Nachbarn. Während wir frühstücken, fängt sich der Nebel an zu heben.
Der See erscheint wieder und überall hängen noch weisse Fetzen am blauen 
Himmel. Eine wunderschöne Stimmung. Dann setze ich mich hin und schreibe. 
So gegen  11Uhr sind wir unterwegs. Die Landschaft ähnlich wie gestern,
aber offener. Die Strasse folgt nun dem Swift River. Unglaublich, wie er
sich mal direkt neben uns, mal hinter den Tannen windet. Dazwischen liegen 
Tümpel, die zeigen, dass wir durch ein riesiges Feuchtgebiet fahren. 
Irgendwann signalisiert ein Schild, dass hier mit Elchen rechnen müssen,
aber das ist eine leeere Versprechung, obwohl doch das Terrain absolut
richtig scheint.
Kleine und auch grössere Seen, mal tiefblau, mal fast schwarz oder auch
grün, je nach Sonneneinfall, und über all dem die Berge, teils felsig
teils bewaldet oder mit Gras bewachsen. Wir geniessen in vollen Zügen.
Die Signalisierung von Abzweigern, Rast- und Zeltplätzen ist nur für
wache Fahrer gedacht. Wenn es sich um eine Tankstelle handelt, ist
dies kein Problem, ist ja direkt an der Strasse und nicht zu übersehen.
Aber der Abzweiger für den Zeltplatz, den nicht zu verpassen ist echt
anstrengend, da kein zweites Schild kommt, bestenfalls ein kleines mit
dem Campground Symbol. Was auffällt, ist, dass viele Tankstellen mit
Motels geschlossen sind. Wir halten bei einer dieser Servicestellen
und schauen uns den Platz an. Das Motel steht noch, aber die Türen der 
Zimmer stehen offen, teilweise liegen Stühle oder Matratzen drin. Die
Lage ist wunderschön, die Zimmer haben jedes einen kleinen Balkon
mit Blick auf die Bäume und das durchschimmernde Seelein. Richtig
romantisch. Man fragt sich schon, warum so ein Ort einfach verlassen
wird. Unser Ziel sind die Rancheria Falls und wir fahren prompt daran
vorbei. Plötzlich sehe ich an einem Strässchen ein Schild zwischen den
Bäumen. Aber natürlich zu spät. Vor allem meinten wir, dieser Ort
käme erst in ein paar Kilometern und ein Schild gab es diesesmal über-
haupt nicht. Zum Glück kommt bald eine Ausfahrt, wo wir kehren können.
Vom Parkplatz aus führt ein Pfad durch offenen Wald und nach einem kurzen
Spaziergang sehen wir die Wasserfälle, d.h. der Fluss zwängt sich dort
einfach ein kurzes Stück durch enge Felsen und sprudelt zwei oder drei
Meter hinunter. Aber es sieht trotzdem schön aus und der Spaziergang hat
uns gut getan. Die nächsten Möglichkeiten zum Übernachten fallen aus,
weil verlassen, und so landen wir in einer Art Resort. Tankstelle,
Motel/Restaurant, Giftshop und RV Park. Am Büro vom RV Park sagt ein Zettel,
man soll sich im Restaurant melden und dort bekommen wir von einer
jungen Frau einen Stellplatz zugewiesen. Internet gibt's nur im Restaurant,
aber gegen Bezahlung könne man dies auch auf dem Platz haben. Also be-
zahlen wir und Ruedi schliesst die Schläuche an. Dann möchte er den
Compi benützen und merkt, dass das Internet nichts taugt. Inzwischen
ist ein junger Mann im Büro und wir melden ihm, dass wir zwar bezahlt
hätten, aber das Netz zu schwach ist. Er kommt mit Ausreden und sagt
dann, dass wir den Platz, der näher am Büro liegt, nehmen können.
Ruedi hat aber keine Lust, alles wieder abzuschrauben, und wir versuchen
dem Typ klar zu machen, dass es ein Schwindel ist, Geld zu verlangen für
einen Service, den sie nicht liefern können. Und nun schmeisst uns 
der Kerl kurzerhand raus. Also fahren wir bis kurz vor Watson Lake,
wo es am gleichnamigen See einen wunderschönen territorialen Campground
hat. Also viel Natur, Plumpsklos und sonst nichts. Ruedi kocht uns
feine Teigwaren und dazu essen wir Tomatensalat. Anschliessend machen
wir noch einen Spaziergang an den See hinunter (die Stellplätze liegen
im Wald). Was für ein schöner Ort. Eben geht die Sonne unter, aber es
ist immer noch angenehm warm. Auf dem Steg kommen wir noch ins Gespräch
mit zwei Deutschen aus Berlin, die gerade für ein Jahr durch Kanada
reisen. Ein guter Tagesabschluss nach dieser unerfreulichen Begegnung
davor.


Vorwärts --> Bericht 004 / Zurück --> Bericht 002